Wer hat Erfahrung mit Bauhaus-Kopien/-Plagiaten

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schoeb
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Wer hat Erfahrung mit Bauhaus-Kopien/-Plagiaten

Beitrag von schoeb » 2. August 2006, 14:48

:?: Hallo, schreibe meinen ersten Beitrag hier im Forum. Gleich mal eine Frage an die Gemeinde: Hat jemand von Euch persönliche Erfahrung mit den Herstellern/Vertreibern "nachgemachter" Bauhaus-Klassiker? Hier gibt es ja verschiedenste Anbieter (www.stealfoorm.com). Wer von Euch hat da schon mal wirklich was gekauft? Wie ist die Qualität? Wie ist der Service.
Selbst EUR 1300 sind eine Menge Holz für einen LC 2, wenn man nachher nur Schrott geliefert bekommt.
Auf Eure Rückmeldung freut sich:
Marcus

kimschmitz
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Erfahrung mit Bauhaus-Kopien

Beitrag von kimschmitz » 10. August 2006, 22:50

Hallo Marcus,

ich habe leider keine Erfahrung mit Bauhaus-Kopien, ist aber eine interessante Frage. Ich würde mal vermuten, dass die Qualität gut ist und hochwertige Materialien verarbeitet werden. Sonst könnten die bei den gehobenen Preisen schnell dicht machen. Vielleicht schreibst Du ESTE mal eine Nachricht, der könnte das wissen. (Einfach in die Mitgliederliste gehen, ESTE ist Nr. 21 und dann auf pn klicken, dazu musst Du aber eingeloggt sein)

Viele Grüße

Kim

este
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Beitrag von este » 15. September 2006, 21:35

Willst Du jetzt wissen, woran man gute Kopien erkennt? Weißt Du von einem Händler, der Kopien vertreibt? Ein großer Kopierer sitzt in Italien und vertreibt von dort aus. Ich persöhnlich würde die Finger davon lassen. Wenn ich das Geld nicht habe und etwas gerne haben möchte, dann spare ich halt noch ein bischen. Ich würde mich nicht wohl fühlen wenn ich jedesmal daran denken müsste, daß eine Kopie gerade gut genug für mich war. Diese blöden Kopien (egal was) überfluten den Markt und nehmen dem Original den Wert. Da geht mir immer die Galle hoch. Aber ich bin halt oldschool und vertrete eine aussterbende Rasse :cry:

Gruß

Charlotte
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Beitrag von Charlotte » 16. Dezember 2006, 10:21

Hallo, also, ich möchte mal ein paar Gedanken und Ansätze zu dem Thema loswerden.
1. Hier ist oft von Original und Plagiat usw. die Rede... sagen wir mal so: DAS Original bzw. DER original Entwurf steht im Museum und stand nie zum Verkauf. Cassina hat die Lizenz, Reproduktionen mit dem Namen le Corbusier herzustellen, samt Seriennummer usw. Wenn ich ein Sofa von Cassina kaufe, erwerbe ich zum einen bestimmt gute Qualität, zum anderen zahle ich Unsummen für die Lizenz. So weit so gut.
2. Wenn ich ein Sofa aus Italien bestelle, dann erhalte ich bestimmt auch bei den Preisen ganz gute Qualität, was fehlt, ist eben die Lizenz, somit der Cassina-le Corbusier Schriftzug, also wird das Sofa günstiger. Es ist aber doch in dem Sinne KEIN Plagiat oder Fälschung, denn die Italiener stanzen ja nicht einfach den Schriftzug ein!
Eine Fälschung wäre es, wenn die Italiener den Schriftzug einstanzen würden und somit den EINDRUCK erwecken würden, hier würde ein Sofa mit Lizenzschriftzug verkauft.
Ergo: Cassina stellt lizensierte Reproduktionen her, daher teuer
Die Italiener stellen Sofas nach der Idee des Designers her ohne dessen Schriftzug, daher sind sie billiger und eben nur eine Reproduktion und keine lizensierte Reproduktion :)
Daß der Kauf einer unlizensierte Reproduktion nun den Marktwert der lizensierten Repro in den Keller treibt, ist doch Blödsinn!
Allgemein gilt doch: diejenigen, die ein Plagiat/unlizensierte Repro erwerben, egal ob nun ein Möbelstück, eine Uhr, eine Tasche u.ä.. würden oder können oder wollen kein Original kaufen,insofern entgeht dem anderen Hersteller nichts.
Wenn jemand ins Ausland fährt und sich überlegt, dort eine Rolexfälschung zu kaufen (ich schreibe bewußt Fälschung, denn die Uhren haben ja den Rolexschriftzug und wollen bewußt den Anschein erwecken, hier handele es sich um eine original Rolex) und er bekommt dort im Ausland diese Uhr/Tasche o.ä. nicht, dann wird derjenige nicht hier in Deutschland ins Geschäft gehen und dort das Original kaufen. Ergo: derjenige hätte eh nie eine original Rolex gekauft und insofern entgeht dem Händler nichts.
Vielen Händlern von Luxusmarken geht es doch einfach darum, ihre gut zahlende Kientel nicht zu verärgern.
Und: vielleicht würde es le Corbusier freuen, daß seine/deren Entwürfe auf einmal so beliebt sind? Wer weiß das schon?
Grüße

Matthau
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Beitrag von Matthau » 18. Dezember 2006, 15:06

So gesehen könnte man ja dann das Urheberrecht ganz abschaffen...., . Es führt nämlich dazu, dass überhaupt kein Mensch und keine Firma mehr das Geld und die Zeit aufwenden wird um ein Produkt zu entwerfen, zu verbessern oder zu entwickeln. Es reicht ja abzuwarten, bis man die Ideen bei irgendwem anderen billig klauen kann. Wenn wir Konsumenten die gestohlenen Entwürfe kaufen, haben wir die zwar nicht selber geklaut, erwerben sie aber doch beim "Hehler" :evil: .
Gruss Matthau
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Beitrag von vollholz » 18. Dezember 2006, 21:28

Hallo,
ich sehe es wie Charlotte, zumindest im Bezug auf ausgesprochene Klassiker. Gestern Abend saß ich auf einer handwerklich guten Lounge Chair-"Kopie" und war ganz positiv überrascht. Andererseits gibt es viele weniger bekannte Klassiker, die bis heute still und leise in Lizenz weiterproduziert werden, ohne daß irgendein Kopist Interesse daran hätte. Unser Sofa z.B., die Slaapbank von Visser, bei spectrum produziert, ist auch nicht derart überteuert wie die LC`s oder Barcelonas, etc. .
Also eher im Einzelfall prüfen, ob die Kopie Sinn macht.
Wichtig erscheint mir aber auch, daß Möbel im passenden Umfeld stehen. Ob die LC4 jetzt ein Original oder eine "Kopie" ist, ist ziemlich egal, wenn daneben ein Ivar-Regal steht.... 8)
Grüße,
jens

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Beitrag von kamillo » 19. Dezember 2006, 23:25

bei plagiaten/ reproduktionen von bauhaus designs hab ich absolut keine ahnung.

was ich sagen kann ist, dass es zB gute 'neuauflagen' klassischer moebel aus vergangenen jahrhunderten gibt. in china werden auch hochwertige moebel nach vorlagen aus dem 18. oder 19. jahrhundert produziert.

wenn man solche sachen bestellt sollte man darauf achten, dass man die teile ohne probleme zurueck schicken kann. ... bei so einem try and error gibt es uU auch mal ne enttaeuschung. ich persoenlich wuerde es erst mal bei produkten aus dem mittleren preissegment versuchen. :D

Charlotte
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Beitrag von Charlotte » 21. Dezember 2006, 19:38

Warum soll ein Bauhausklassiker nicht neben einem Ivar Ikea-Regal stehen? Wenn es paßt und mit dem Rest des Raumes harmoniert, warum nicht?
Ich trage ja teilweise auch sehr teure Markenkleidung zusammen mit günstigen Teilen von H&M o.ä. es ist doch langweilig, wenn in einem Raum nur Perfektion vorherrscht. Solange der Stil stimmt und der Stilmix gut ausgeführt ist, warum nicht? Schließlich soll man in dem Raum ja auch leben und es soll/muß auch funktionell sein...

Stichwort Urheberrechte/Verbesserung der Produkte: hmhm, kann es nicht auch sein, daß sich Qualität und Verbesserung einfach so durchsetzt? Wenn ein Produkt nicht stimmt und in dem Sinne "schlecht" ist, wird es kaum gekauft, zumal wenn es sich um teure Möbel handelt. Insofern würde der Hersteller quasi durch die Marktwirtschaft zur Verbesserung seines Produktes gezwungen.

Charlotte

Matthau
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Beitrag von Matthau » 22. Dezember 2006, 09:58

@charlotte, ich glaube da ist ein Denkfehler drin, wenn zwei Hersteller das Gleiche prosuzieren und einer davon sich die Entwicklungskosten durch Klauen spart, wird er sich auf Dauer am Markt behaupten und der Andere Pleite gehen.

Gruss
Matthau
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Beitrag von vollholz » 27. Dezember 2006, 15:00

Hallo,
zumindest bei BAUHAUS-Klassikern dürften sich die Entwicklungskosten schon lange amortisiert haben. Und ein Original lebt bisweilen auch davon, daß es eben Kopien gibt, die sich unterscheiden.
Charlotte, Ivar-Lattenzaun neben LC3 ist für mich kein Stilmix mehr, das tut weh. Du trägst ja auch keine Latzhose und dazu high heels, oder?
:D :D :D

Wünsche einen Traumstart ins neue Jahr !

Jens

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Beitrag von Charlotte » 27. Dezember 2006, 18:38

Ich würde nicht unbedingt High Heels zur Latzhose tragen :D aber wenn es jemandem gefällt, dann soll derjenige das machen, ich bin da tolerant :D muß ja auch kein Ivar sein, aber ein LC3 oder 2 oder was auch immer neben einem einfach weißem Billy Regal oder so in der Art, warum nicht? ganz davon abgesehen weißt du doch: den schlechten Geschmack haben immer nur die anderen :lol:
kommt gut und stilvoll ins neue Jahr :) Charlotte

Matthau
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Beitrag von Matthau » 10. Januar 2007, 13:14

@vollholz.......

das heisst wenn Porsche die Entwicklungskosten drin hat darf man sich einen klauen ?

Ich bin dann mal kurz im Parkhaus :-)

Grüsse Matthau
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Beitrag von vollholz » 10. Januar 2007, 14:34

Hallo Matthau,
Porsche entwickelt Autos. Fritz Hansen entwickelt KEINE Bauhaus-Klassiker. Und die Nachbauten muß man sogar bezahlen. Ich geh jetzt auch in ein Parkhaus, ich such noch einen Sessel.....
:lol: :lol:
Grüße,
jens

Matthau
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Beitrag von Matthau » 10. Januar 2007, 14:55

Tach Vollholz,
klar hinkt der Vergleich (ein bisschen ), eigentlich reduziert sich alles auf die Frage ob es nur materielles Eigentum (Porsche) oder auch ein gleichgestelltes ( vererbbares, handelbares ) geistiges Eigentum gibt. Wenn man beides bejaht, sind Plagiate Diebstahl. Punkt

Liebe Grüsse

Matthau :D
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Beitrag von Charlotte » 10. Januar 2007, 16:57

Mir ist nicht ganz klar, inwiefern nun der Porsche "nur" materielles Eigentum sein soll... dahinter steckt ja auch eine Idee, Designer oder wie auch immer.

Bei den Möbelklassikern müßte man dann doch aber auch die Firma Cassina in Frage stellen, da sie ja nur die Lizenz zum Nachbau erworben haben und nicht direkt an der Entwicklung und vor allem Idee beteiligt gewesen sind.

Insofern müßte dann ja ein Porsche als wesentlich authentischer und echter gelten, denn der Porsche wird ja nicht nur von Porsche gebaut, sondern ist dort von grundauf entwickelt worden. :)

Grüße von Charlotte

Matthau
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Beitrag von Matthau » 10. Januar 2007, 17:49

Das war das was ich mit "handelbar" gemeint habe. Ich habe eine Idee, die gehört mir, die verkaufe ich der Firma Cassina, die gehört dann der Firma Cassina, und die darf sie weiterverkaufen. Die Preisgestaltung liegt bei der Firma Cassina, wenns einem zu teuer ist kann mans sich halt nicht leisten (siehe Porsche :cry: ).

Grüüsse Matthau
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Beitrag von Charlotte » 10. Januar 2007, 18:58

OK, das stimmt schon, da gebe ich Dir Recht. Und last but not least: jeder muß dann halt schauen, ob und wie er sich das leisten kann.
Gebe ja man auch zu, daß ich persönlich auch pingelig bin, aber eben nur bei bestimmten Sachen. Ich persönlich würde nieniemals eine gefälschte Rolex/andere Markenuhr tragen.... wie Du schreibst: entweder das Original oder gar nicht!
Bei einem Sofa o.ä. könnte ich mir schon vorstellen, weniger pingelig zu sein.... für mich stellt sich das Problem aber nun nicht mehr, da ich nun ein ganz anderes Sofa gekauft habe :D echte deutsche Handarbeit, ganz ohne Lizenzprobleme und ganz individuell zusammengestellt :-)
in diesem Sinne einen schönen Abend Charlotte

Matthau
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Beitrag von Matthau » 10. Januar 2007, 19:02

Na dann Glückwunsch zum Sofa, und lümmel schön :D

Grüsse
Matthau
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Beitrag von Charlotte » 10. Januar 2007, 19:21

Danke :D vorher aber noch Zimmer renovieren und vor allem noch Vorhänge kaufen/anfertigen lassen, mußsoll ja nun alles zusammenpassen :wink:
Wobei mir einfällt, daß auf das Regal prima eine kleine Wagenfeldleuchte passen würde, natürlich hier in Deutschland gekauft :-)

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Plagiate / Duplikate von Möbelklassikern

Beitrag von DiplIng09 » 9. Februar 2007, 11:43

Hallo,

ich denke zu dem Thema gibt es doch einiges zu sagen.

Ich habe durchaus Erfahrungen mit Möbel Duplikaten, da ich in einem Möbelladen gearbeitet habe und wir diese auf Anfrage verkauft haben.

Die Qualität im Vergleich zum Original kann man teilweise nicht vergleichen. Wer ein "Original" LC gleichgültig ob Sessel oder Sofa besitz, hat nicht nur eine hochwertigere Qualität an Bezugsstoff ( in diesem Fall Leder), sondern auch die Verarbeitung des Stahlgestells ist etwas anderes. Ich habe da teilweise Duplikate gesehen, da mußte der Lederbezug nach wenigen Jahren ausgetausch werden, weil er einfach sehr schäbig aussah. Eine gute Qualität muß man auch bezahlen, bei Ikea weiß man welche Qualität man erwirbt. Wenn man in diese Möbel schon einmal hereingeschaut hat, ist klar: Qualität billigst = Preisgünstig. Billig sind in diesem Sinn die Duplikate auch nicht. Denn eine gute Qualität hält länger.

Ich habe heute erfahren, das die bekannten italienischen Duplikate auch nicht mehr direkt aus Italien verkauft werden, sondern die Firmen Ihren Sitz nach England verlegt haben, weil es dort keine rechtlichen Probleme gibt.

Wer die Duplikate kaufen möchte kann das gerne tun, die hohen Lizenzgebühren sind mit Sicherheit in die Originale mit eingerechnet.

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